Paul Goldschmidt lebte von 1914 bis 2010. Er war das vierte Kind in seiner Familie. Seine Familie war jüdischer Herkunft und lebte in den Niederlanden. In der Schule hatte Paul Schwierigkeiten, Lesen und Schreiben zu lernen. Er hatte das Gefühl, dass seine Lehrer dafür kein Verständnis aufbrachten. Sein Vater tröstete ihn, und so verlor Paul seinen Mut nicht. Im jugendlichen Alter von 17 Jahren war er Patient einer Logopädin in Den Haag. Das Erleben seiner eigenen Behinderung bestärkte ihn darin, selbst Sprachtherapeut zu werden. 1936 legte er die Prüfung zum Logopäden ab.
Als die Deutschen 1940 die Niederlande besetzten, arbeitete Paul Goldschmidt als Logopäde. Wegen seiner jüdischen Abstammung wurde er 1943 im Durchgangslager in Westerbork interniert. Er meldete sich als Logopäde und wurde dort einem medizinischen Dienst unterstellt. Ein Jahr später wurde Paul Goldschmidt ins Konzentrationslager Bergen-Belsen gebracht und von dort aus im April 1945 weiter nach Osten transportiert. Hier wurden später viele Gefangene von der russischen Armee befreit. Er hat überlebt.
Nach dem Krieg eröffnete Paul Goldschmidt in Amsterdam eine logopädische Praxis. Er war sehr interessiert an neurologisch geschädigten Patienten, besonders an Kindern und Jugendlichen mit Bewegungsstörungen.
In diesem Zusammenhang traf er sich mit dem Ehepaar Bobath in London. Dort haben Bertha und Karel Bobath einen neuen krankengymnastischen Ansatz entwickelt. Bei diesem Konzept steht aktive Bewegungsförderung im Vordergrund. Die Zielgruppe waren meist neurologische Patienten.
Nachdem Paul Goldschmidt bei den Bobaths hospitiert hatte, erkannte er, dass eine Kombination aus Logopädie und dem Bobath'schen Konzept bei Kindern mit Cerebralparese (mit Bewegungsstörungen, deren Ursache in einer frühkindlichen Hirnschädigung liegen) helfen kann. Er richtete sein Behandlungskonzept danach aus.
Sein Interesse lag bei Kindern, die Unterstützte Kommunikation benötigen. Er suchte nach Möglichkeiten für Kinder, die nur schwer oder gar nicht sprechen konnten, sich mitzuteilen. Er beteiligte sich an der Gründung von Isaac e.V.. Er hat aktiv an den Vorbereitungen mitgewirkt. isaac e.V. ist eine Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation (UK) mit über 1700 Mitgliedern. Sie hilft Menschen, die keine eigene Lautsprache haben. Paul Goldschmidt stellte den Kontakt zu Firmen her, die die ersten UK-Geräte produzierten. Bis ins hohe Alter hat er sich eingebracht, die Menschen ohne eigene Lautsprache zu unterstützen.
Text von Schüler*innen der Oberstufe